Ich freue mich sehr, am vergangenen Sonntag in Osnabrück mit dem 1. Preis des 2. Osnabrücker Dramatikerpreises ausgezeichnet worden zu sein – wobei es ja vielmehr um das Stück geht, das im Rahmen des Wettbewerbs entstanden ist und ohne diesen so nicht entstanden wäre – ÜBER MEINE LEICHE habe ich es genannt. Den 2. Preis erhielt die tolle Julia Penner mit ihrem SNUPPY – DER DICKE STERNSCHNUPPE, was mich sehr freut.

Ich bedanke mich bei der Jury, bestehend aus Rebekka Kricheldorf, Annette Pullen, Hans-Jürgen Drescher und Jürgen Berger. Letzterer verlas die Laudatio, und zwar folgende:

Er ist Autor und Schauspieler. Es kann also sein, dass die Entscheidung, in welche Richtung es für ihn weiter geht, eine schwere ist. Liest man als Jurorin oder als Juror den Theatertext, der hier ausgezeichnet wird, ist die Entscheidung allerdings so leicht wie eindeutig. Lieber Stefan Hornbach, sollte tatsächlich die Situation eintreten, dass Sie in nächster Zeit derart mit Schauspiel-Angeboten überhäuft werden, dass nicht genügend Zeit für’s Schreiben bleibt, dann schränken Sie das mit der Schauspielerei doch bitte so ein, dass wir schon sehr bald mit einem weiteren dramatischen Text von Ihnen rechnen können.

„Über meine Leiche“ ist ein Text, der den Leser nicht mehr los lässt. Man liest immer weiter und will mehr von den Gefühlswelten zweier Jugendlicher erfahren, die unterschiedlicher nicht sein könnten und die von existentiellen Verstörungen so in verschiedenen Richtungen getrieben werden, dass sie wieder aufeinander treffen müssen. Da ist Jana, eine Hochbegabte, die in diesem Leben all das erreichen könnte, wovon andere nur träumen. Dumm nur, dass sie so gar nichts will – es sei denn sterben.

Das Mädchen blickt desillusioniert auf ein bislang noch kurzes Leben zurück. Eines allerdings hat sie doch noch vor. Sie will diesen Friedrich aus der Reserve locken, einen verschlossenen Jungen, der so vieles noch erreichen möchte, dem aber kaum Zeit bleibt. Friedrichs Krankheit zum Tode ist eine Geschwulst, von der der Arzt sagt, sie sehe aus wie eine Dattel. Der Krebs bedrängt ihn immer heftiger, da ist wohl nichts zu machen. Und auch die Jana kann er sich nicht wirklich vom Leibe halten.

Aber will er das wirklich? Ist er nicht immer noch verliebt in die ehemalige Klassenkameradin, die inzwischen eine scharfzüngige junge Frau ist, ganz überraschend aber auch zarte Töne anschlagen kann. „Du siehst bestimmt schön aus ohne Haare“, sagt sie einmal und fragt, ob sie ihn malen dürfe, ohne Kleider. Er geht darauf nicht ein und er wird mit ihr auch nicht an eine Steilküste in Portugal fahren: nicht wegen des Sonnenuntergangs und schon gar nicht, um sich da runter zu stürzen.

Stefan Hornbach erzählt all das mit sarkastischem Humor und bis hin zu dem Punkt, wo sich das mit dem Krebs von Friedrich ganz anders entwickelt. Er kann am Ende hoffnungsfroh in die Zukunft blicken. Was das für Jana bedeutet, wissen wir nicht. Wir wissen nur, dass Stefan Hornbach ein zur Sprache Begabter mit Gefühl für Semantik, Melodie und Rhythmus ist. Die Jury des 2. Osnabrücker Dramatikerpreises ist glücklich, einen Autor auszeichnen zu können, der eine so intime Geschichte mit solch dramatischer Kraft schreiben kann.

Vielen Dank an alle, die mich zum Schreiben inspiriert, beim Schreiben unterstützt und nach dem Schreiben ausgezeichnet haben! Danke!

 

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